Zusammen für André !

Illegale Informationsweitergabe an Journalisten nicht hinnehmbar

 

Die RSH ist im Fall André weiterhin mit Nachdruck aktiv. Andrés Anwalt hat mittlerweile die Ermittlungsakte der Kölner Staatsanwaltschaft erhalten. Er hat daraufhin beantragt, für André bereits im Ermittlungsverfahren als sogenannter Verletztenvertreter durch den zuständigen Ermittlungsrichter beigeordnet zu werden, da sich aus der Ermittlungsakte der Verdacht eines versuchten Tötungsdeliktes ergibt.

Mittlerweile hat der Deutsche Presserat aufgrund der Beschwerde des RSH-Anwalts gegen die Nürnberger Abendzeitung ein Beschwerdeverfahren eingeleitet. Die Beschwerdeschrift wurde an die Redaktion der Abendzeitung weitergeleitet. Diese wurde aufgefordert, dazu eine Stellungnahme abzugeben.

Unterdessen hat das Polizeipräsidium Köln geantwortet. Andrés Anwalt hatte den Polizeipräsidenten von Köln aufgefordert klarzustellen, die ursprüngliche Berichterstattung, dass André ein gewaltbereiter Hooligan sei, zu berichtigen und Auskunft zu erteilen, wer diese Behauptung gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) aufgestellt habe. Das Polizeipräsidium teilte lapidar mit, dass eine solche Mitteilung an die Presse offiziell nicht erfolgt sei. Die dpa habe sich auf einen "internen" Bericht der Polizei berufen. Der Anwalt solle daher bei der dpa nachfragen, woher sie diesen Bericht habe.

Eine reichlich unverschämte Antwort: Angebliche, interne Polizeiberichte haben bei der Presse nichts verloren. Zumal der Kölner Polizeipräsident sehr wohl weiß, dass die Presseorgane ihre Quellen nicht offenlegen und auch nicht offenlegen müssen. Es wäre die Aufgabe des Polizeipräsidenten gewesen, in seiner Behörde aufzuklären, wer hier - noch dazu unrichtige - Informationen an die Presse gibt. Dies ist nicht hinnehmbar. Persönlichkeits- und Opferschutz werden so mit Füßen getreten.

Nach Auffassung von Andrés Anwalt folgt aus der Stellungnahme des Polizeipräsidiums aber eindeutig, dass eine unbefugte Weitergabe von Daten durch Polizeibeamte erfolgt ist. Seiner Auffassung nach erfüllt dies auch einen Straftatbestand. Er hat deshalb weitere Schritte eingeleitet, über die wir im Moment aufgrund der Brisanz der Angelegenheit noch nicht öffentlich berichten können. Parallel dazu hat er dem Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen mitgeteilt, dass er nicht nachvollziehen kann, weshalb unmittelbare Tatzeugen aus Nürnberg immer noch nicht vernommen und darüber hinaus wichtige Beweismittel nicht gesichert wurden.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann hat es bisher nicht für notwendig erachtet zu antworten. Dessen unverantwortliche Äußerungen hatten mit dazu beigetragen, dass André fälschlicherweise in den lokalen Medien als Gewalttäter dargestellt wurden. Andrés Anwalt hat ihn eindringlich darauf hingewiesen, welche fatalen Folgen seine Stellungnahme hatte. Diese war nur wenige Stunden nach dem schlimmen Vorfall erfolgt. Der Innenminister konnte zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht wissen, was überhaupt geschehen war und äußerte sich trotzdem. Zwischenzeitlich waren einige Lokalzeitungen aufgrund der massiven Intervention durch die RSH kräftig zurückgerudert. Der 1. FCN nahm ebenfalls Stellung, kritisierte die vorschnelle Verunglimpfung in den Medien und erklärte ein Regionalligaspiel zum Benefiz-Spiel für André. Herrmann reagierte dagegen gar nicht. Eine Entschuldigung bei André und seiner Familie wäre mehr als angebracht gewesen.