Zusammen für André !

Innenminister Herrmann äußert sich unverantwortlich

 

Die Nachricht von Andrés schwerer Verletzung hat uns alle erschüttert und ins Mark getroffen. Die anschließende Medienkampagne ruft immer noch Empörung hervor. Beim Schreiben und Reden waren viele schnell. Verantwortlich sein will niemand: Keine Klarstellung, keine Entschuldigung.

Während die Staatsanwaltschaft Köln zusichert, mit Hochdruck zu ermitteln und demnach massenweise Zeugenvernehmungen in verschiedenen Städten unmittelbar bevorstehen, erhärtet sich, dass die fragwürdige "Unfall"-Version auf zweifelhaften Angaben beruht. Der Staatsanwaltschaft liegen auch Zeugenaussagen von neutralen Personen vor, die auf einen bewussten Angriff schließen lassen.  Nach Auffassung von Andrés Anwalt ist nicht mehr auszuschließen, dass der Täter doch auf einer Videokamera zu sehen ist.

Die von der Staatsanwaltschaft geforderte Klarstellung, dass es sich bei André weder um eine Person handelt, die auf Gewalt aus ist und noch als sogenannter "Hooligan" zu werten, verweigert diese. Man gebe keinerlei Auskünfte über die Person des Geschädigten. Wenn die Polizei Angaben hierzu gemacht habe, sei sie dafür verantwortlich. Auch eine entsprechende Anfrage der dpa an die Staatsanwaltschaft am heutigen Morgen blieb von dieser unbeantwortet. Daraufhin wurde die Leiterin der Pressestelle des Polizeipräsidiums Köln heute Abend von dem RSH-Anwalt aufgefordert, diese Klarstellung umgehend vorzunehmen. Die Angelegenheit wird mit allem Nachdruck weiterverfolgt.

Die dpa hatte sich am Wochenende auch auf den bayerischen Innenminister Herrmann berufen: "Ich bin entsetzt über diese erneute Eskalation von Gewalt unter Fußballfans", sagte laut dpa Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Andrés Anwalt kritisierte diese Aussage heute in einem Schreiben an den Innenminister scharf. "Es ist für mich nicht nachvollziehbar, weshalb Sie wenige Stunden nach dem Vorfall eine Stellungnahme gegenüber der Polizei abgeben, die einer Tatablauftheorie folgt, die überhaupt nicht feststeht. Der Sachverhalt ist nicht im Geringsten klar und feststehend. Insbesondere gibt es keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass mein Mandant sich an einer gewalttätigen Auseinandersetzung aktiv beteiligt hätte." Der RSH-Anwalt betonte in dem Schreiben, dass dem Minister klar sein musste, wie seine Aussage im Kontext verstanden werden würde. "Die öffentliche Wahrnehmung ist, dass mein Mandant aus einer Kampfsituation, an der er selbstverschuldet beteiligt war, so schwer verletzt wurde." Hierfür bestehen jedoch keinerlei Anhaltspunkte. Hermanns Vorgehen war unverantwortlich insbesondere im Hinblick auf die Persönlichkeitsrechte von André und seiner Familie.