Nachgefragt

Offener Brief an die Münchner Polizei - Teil 2

 

Sehr geehrter Herr Kopp,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 24.4.2013.

Leider sind unsere Fragen aus unserem Schreiben vom 20.4.2013 durch Sie nur unzureichend bzw. überhaupt nicht beantwortet worden.

Ihre Wahrnehmung, dass bei den Vorkommnissen eine „derartige Gewalt und Brutalität“ an den Tag getreten ist, dass „ein Beamter (…) neben Prellungen im Gesicht auch eine Augenreizung erlitten hat“, haben wir zur Kenntnis genommen.

Wir hoffen aber, nachdem dies in Ihrem Schreiben umgekehrt keine Erwähnung findet, dass Sie ebenfalls „betroffen“ von der Tatsache sind, dass auf seiten der Nürnberger Anhänger erhebliche Verletzungen dergestalt entstanden sind, dass zum Beispiel durch einen Schlagstockeinsatz eine klaffende Wunde am Ellenbogen entstand und eine Vielzahl von Personen, darunter auch Frauen, mit Hämatomen übersät wurden.

Soweit Sie angeben, dass mobile Toiletten angeliefert wurden, sind Sie offenbar nicht vollständig informiert. Diese wurden nach ca. zwei Stunden angeliefert und in der Zwischenzeit wurde eine Vielzahl von Personen dazu aufgefordert, direkt vor den Augen der Beamten und den anderen auf der Brücke befindlichen Personen und unter laufender Kamera auf selbige (die Brücke) zu urinieren.

Zu den Beileidigungen durch Ihre Beamten nehmen Sie leider überhaupt keine Stellung. Wie wir dies zu interpretieren haben, vermögen wir derzeit nicht einzuordnen.

Ebenso verhält es sich mit der Anfrage hinsichtlich Herrn Bergmann. Leider scheint es so, dass Sie all den Anfragen aus dem Weg gehen, bezüglich derer Sie sich möglicherweise auch kritisch mit dem Verhalten Ihrer Beamten auseinandersetzen müssten.

Hinsichtlich der Frage der Eintragung in die Datei Gewalttäter Sport ist es grundsätzlich zu begrüßen, dass Sie die rechtlichen Regelungen einzuhalten gedenken. Allerdings dürfte Ihnen auch bekannt sein, dass bereits eine Personenidentifikation zu einem Eintrag ausreichend sein kann. Wenn also nunmehr 400 Personen in die Datei eingetragen werden sollten, darunter mit Sicherheit etwa 380 Personen, die völlig unbeteiligt waren, dann kann das ja hoffentlich auch Ihrem Rechtsempfinden nicht entsprechen.

Abschließend gilt es klarzustellen, dass die Rot-Schwarze Hilfe jeden bedauert, der im Rahmen eines Fußballspiels verletzt wird, sei es ein Beamter oder ein Fan. Allerdings wünschen wir uns eine sachliche Darstellung der Dinge und die Vermeidung einer unangebrachten schwarz/weiß-Malerei. Ihren Einsatzkräften ist es an diesem Tag nicht gelungen, im Rahmen eines Hochrisiko-Spiels einen Übergriff durch Münchner auf die Gruppe der Nürnberger Anhänger zu vermeiden. Diese einsatztaktische Fehlleistung war der Auslöser für die nachfolgenden Geschehnisse.

Wir wünschen uns eine Analyse der Vorkommnisse frei von Polemik und unzutreffender verbaler Aufblähung. Es ist medial in diesem Jahr bereits mitgezählte sechs Mal von einer „neuen Dimension der Gewalt“ die Rede gewesen, unter anderem von Ihnen. Sie werden es aber umgekehrt auch nicht gut heißen, wenn bei den mittlerweile vermehrt in den Fokus öffentlicher Berichterstattung gerückten Verfahren wie z.B. in Rosenheim jedes Mal eine neue Dimension der Gewalttaten im Amt proklamiert wird.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Die vollständige Antwort von Herrn Kopp könnt Ihr hier nachlesen  < Klick >