Nachgefragt

Was lange währt ... wird manchmal doch nicht gut

 

Ende September letzten Jahres schien es der RSH wichtig zu erfahren, wie viele Personen nach dem letzten Saisonheimspiel 2011/12 gegen den Hamburger SV durch den Pfeffersprayeinsatz der Polizei hinter der Nordkurve verletzt worden waren. Nach einer ziemlichen Telefon-Odyssee erfuhren wir schließlich, dass der Kreisbereitschaftsleiter des BRK-Kreisverbands Nürnberg-Stadt die richtige Ansprechperson sei.

Eine telefonische Anfrage bei diesem stieß auf positive Resonanz dahingehend, dass der Herr keine Bedenken hatte, die Zahlen zu nennen. Er bat lediglich um eine Anfrage per Mail, damit er nachweisen könne, wem er die verlangte Auskunft erteilt habe.

Am selben Tag noch ging ihm die erbetene Mail zu. Eine Antwort erhielten wir jedoch leider nicht. Deshalb nahmen wir Anfang Dezember ein weiteres Mal mit dem Herrn Kreisbereitschaftsleiter telefonisch Kontakt auf und fragten nach deren Verbleib. Von der ursprünglichen freundlichen Auskunftsbereitschaft war nun allerdings nichts mehr übrig geblieben. Stattdessen teilte er mit, er dürfe keine Angaben machen, da die Angelegenheit "in den Datenschutz hineingeht". Auskunftsberechtigt sei lediglich die Polizei. Auf Nachfrage, ob diese ihm untersagt habe, Zahlen herauszugeben, erklärte er, dass dies nicht so sei, vielmehr komme die Anweisung von höherer Stelle im BRK (Bayerisches Rotes Kreuz).

Die RSH wollte sich damit allerdings nicht abfinden und ließ durch einen Anwalt nochmals schriftlich nachfragen. Und siehe da: Auf einmal erreichte diesen eine Antwort mit dem Ausdruck tiefsten Bedauerns, dass die Sache so lange gedauert habe.

Allerdings teilte man lediglich mit, dass während des gesamten Spiels in der Sanitäts-Wache 2 (Gegengerade) insgesamt 11 Patienten behandelt worden seien. Ob und wie viele aufgrund des Polizeieinsatzes konnte man "leider" nicht ermitteln. Womit die gestellte Frage zwar formal beantwortet war, inhaltlich aber eben gerade nicht.

Es bleibt die Erkenntnis, dass das BRK - wohl aufgrund einer vermeintlichen Solidaritätspflicht mit der Polizei - schlicht und ergreifend nicht willens ist, konkrete Zahlen zu nennen und sich deshalb nach dem Motto "Eine BRK-Krähe hackt einer Polizeikrähe kein Auge aus" um eine klare Antwort wieder und wieder herumdrückt.

Wie lautet doch der Leitsatz des Deutschen - und damit auch der des Bayerischen - Roten Kreuzes? "Wir vom Roten Kreuz sind Teil einer weltweiten Gemeinschaft von Menschen ..., die Opfern von Konflikten und Katastrophen sowie anderen hilfsbedürftigen Menschen unterschiedslos Hilfe gewährt." Scheinbar endet die Hilfeleistung jedoch nach Abschluss der medizinischen Vor-Ort-Maßnahmen. Die "guten" Polizisten sind einem halt dann doch irgendwie näher als die "bösen" Fußballfans.