Klartext

Nürnberger Polizeimärchen führt zur Eskalation beim Auswärtsspiel

 

Nun ist es also amtlich: Der DFB verurteilte Eintracht Frankfurt zu einer Geldstrafe von 100.000,-- Euro wegen den Vorfällen der Eintracht bei ihrem Gastspiel in Leverkusen am 19. Januar 2013. Eigentlich kein Grund für die RSH, hierzu Stellung zu nehmen, wenn da nicht das Nürnberger Gastspiel am 09.02.2013 in Frankfurt gewesen wäre. Aber alles der Reihe nach:

Der DFB verpasste dem Spiel Frankfurt-Nürnberg den Status eines Hochsicherheitsspiels. Nichts Ungewöhnliches, wenn sich nicht zu diesem Spiel die Vertreter des DFB als Beobachter angemeldet hätten. Das versetzte die Verantwortlichen der Eintracht in eine gewisse Panikstimmung und man entschied lange vor diesem Spiel, nunmehr alle Register zu ziehen, damit nur ja an diesem besagten Spieltag die Beobachter des DFB keine negativen Erfahrung mitnehmen und damit für das ausstehende DFB-Gerichtsverfahren alles getan sei. Mit welch fragwürdigen Mitteln aber alles getan wurde, wollen wir hier dokumentieren:

Suchaktion mit Herz: Dem Landgericht München genügt Flüsterpost als Durchsuchungsgrund - Schutz von Wohnungen verfällt immer mehr

 

Es war der 27. März 2012 als die Kriminalpolizei aus der Landeshauptstadt in Nürnberg für Recht und Ordnung sorgen wollte. Ausgestattet mit Beschlüssen des Amtsgerichts Münchens rückte sie in den Räumlichkeiten der "Banda di Amici" an sowie in einer Wohnung einer Führungsperson dieser Gruppe und durchsuchte diese nach dem Banner "Südkurve - Herz und Seele des Vereins". Gefunden wurde ein Transparent, allerdings mit der Aufschrift "Freiheit für Ultras."

Noch am selben Tage legte der von der Wohnungsdurchsuchung Betroffene durch seinen Anwalt gegen den Durchsuchungsbeschluss Beschwerde ein. Außerdem beantragte er festzustellen, dass auch die Art und Weise der Durchsuchung rechtswidrig gewesen sei, denn ihm sei ein Durchsuchungsbeschluss mit der Aufschrift "ohne Gründe" überreicht worden. Dies sei unzulässig, so sein Anwalt, da der Betroffene an Ort und Stelle die Möglichkeit haben muss zu prüfen, was es mit dem Beschluss auf sich hat und worauf dieser sich stützt.

Keine Gießkannen-Stadionverbote mit der RSH

 

Beim Spiel des Glubb in Düsseldorf kam es in der Nacht zu nicht unerheblichem Chaos in der Düsseldorfer Altstadt. Offensichtlich wurden durch eine Vielzahl von Personen Straftaten begangen. Dies ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass Berichten zu Folge jeder noch anwesende Glubbfan in einen Polizeikessel zusammengetrtieben wurde. Insgesamt etwa 240 Personen sollen demzufolge in polizeiliches Gewahrsam geraten sein. Von Augenzeugen wird berichtet, dass unter anderem eine Gruppe holländischer Touristen und diverse Anwohner aus der Nachbarschaft betroffen gewesen seien.

Die RSH empfiehlt bereits jetzt, Stadionverbote nicht zu akzeptieren, wenn der oder die Betroffene rein zufällig vor Ort war. Es kann nicht angehen, dass es gängige Praxis wird, einfach alle eingekesselten Personen mit einem Stadionverbot zu überziehen, auch wenn sie frei jeglicher Straftaten oder Gewaltbereitschaft sind.

Ballast im Handgepäck - was es bei Auslandsreisen mit Dateieinträgen zu beachten gilt

 

Einträge in der Datei "Gewalttäter Sport" oder auch sog. INPOL-Einträge können bei einer Ausreise ins Ausland für unschöne Überraschungen sorgen. Dies gilt insbesondere dann, wenn Länder, die nicht dem Schengenabkommen beigetreten sind, das Ziel sind (z.B. auch Großbritannien) oder wenn die Bundespolizei sogenannte "anlassbezogene" Kontrollen durchführt. Spätestens seit der Datenpanne bei der ZIS ist bekannt, mit welcher Akribie hier Vorberichte an Polizeibehörden erstellt werden, so dass anlassbezogene Kontrollen vor Auslands-Fußballspielen nicht auszuschließen sind.

Die Bundespolizei kann bei einer Kontrolle am Flughafen oder auf anderen Reisewegen beispielsweise Einträge in der Dateiei "Gewalttäter Sport" abrufen. Im Jahr 2008 führte das im Falle einer dort angeblich als "Kategorie C"-Fan eingestuften Person dazu, dass die Ausreise vollständig verwehrt wurde. Diese klagte dagegen im Nachhinein beim Verwaltungsgericht München. Und zwar mit Erfolg. Das Verwaltungsgericht war der Auffassung, dass die Behörde keine ausreichende Ermessensausübung vorgenommen habe und der belastende Verwaltungsakt deshalb rechtswidrig gewesen sei. Die Reise jedoch war längst verpasst.

„Leichte Fußtritte“ durch Polizeibeamte im Auge der Staatsanwaltschaft

 

Während die Staatsanwaltschaft dazu neigt, strafbares Verhalten von vorneherein immer ganz hoch aufzuhängen, ist diese Neigung gegenüber Polizeibeamten eher nicht vorhanden. Wie die RSH bereits berichtete, wurde die Staatsanwaltschaft auf eine Szene der Videografie des Platzsturmes beim Derby gegen Fürth im Dezember 2011 aufmerksam gemacht. Die Szene wurde durch einen Privatmann ebenfalls mitgefilmt, der uns dankenswerter Weise eine bearbeitete Fassung zur Verfügung gestellt hat: