Klartext

13.4.13 - Die Verzerrung eines misslungenen Polizeieinsatzes

 

Eine lustige Mottofahrt sollte sie werden, die Fahrt zur Bundesligapartie nach München am 13.4.13. Wenn man schon sportlich und im Stadion mit dem üblichen Grauen in der Landeshauptstadt rechnen musste, so versprach wenigstens die Verkleidung im Stile der 80er Jahre einiges. Kutten, Vokuhila-Frisuren, all diese Stilmittel einer Generation sollten einmal wieder aus der Mottokiste.

Der Traum von einer lustigen Fahrt geriet allerdings recht schnell zum Alptraum. In München wurde der Zug der Nürnberger, zu dem etliche Normalos, Frauen mit Kindern und Rentner genauso gehörten wie die später wieder unisono besungenen Ultras, sofort von vorne und hinten von Polizeikräften eingekesselt und auf einem extrem langen Umweg über die Felder Münchens Richtung Stadion geführt. Auf einem Weg, auf dem Gästefans normalerweise nicht geführt werden, weil er die Anreise der Münchner Fans (ja, der Fans, nicht der Besucher) kreuzt. Den Nürnberger Anhängern war es verwehrt, sich aus diesem an einen Almabtrieb erinnernden Szenario zu entfernen. Und wie es der Teufel will, gelang es einer doch recht großen Gruppe von Münchner Anhängern, die vom Morgen an, so spricht nun das Videomaterial, unter Beobachtung standen, gemütlich und ohne polizeiliche Intervention an die auf einer Brücke „gefangenen“ Nürnberger heranzukommen und diese anzugreifen. Dass eine Reaktion etlicher Personen aus den Nürnberger Reihen darauf erfolgte, ist kein Ergebnis, zu dessen Prognose man vorab eine Glaskugel gebraucht hätte.

Selbstverständnis – FCN-Verantwortliche missbrauchen Fanbeirat

 

Am Mittwoch, 03.09.2014, wurde auf der FCN-Homepage ein sogenanntes Selbstverständnis veröffentlicht, nachzulesen unter: http://www.fcn.de/news/artikel/selbstverstaendnis-1-fc-nuernberg-und-seine-fans/   Darin heißt es:

„Im Zuge der Aufarbeitung von Vorkommnissen im Zusammenhang mit Anhängern des 1. FCN hat der Verein ein Selbstverständnis ausgearbeitet. Dieses Selbstverständnis dient als Leitbild für alle Fans des 1. FCN und wurde dem Fan-Beirat bei der letzten Sitzung vorgestellt.“

Es ist richtig, dass dieses Leitbild dem Fanbeirat vorgestellt und mit ihm diskutiert wurde, jedoch konnte sich von Seiten des Fanbeirates nicht jeder damit anfreunden. Das Selbstverständnis wurde im Fanbeirat sehr kontrovers diskutiert, was auch so protokolliert wurde. Eine Veröffentlichung im Namen des Fanbeirats und sogar die bloße Erwähnung des Fanbeirats im Zusammenhang mit diesem Selbstverständnis wurde von dessen Mitgliedern abgelehnt. 

Der Polizeierlass von NRW und sein Schöpfer

 

Von dem merkwürdigen Wandel des NRW-Innenministers Ralf Jäger

Bei Fußballfans ist er nicht gerade beliebt: Ralf Jäger, Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen. Das liegt wohl vor allem daran, dass er in der Vergangenheit auf ihrem Rücken, dem der Fans, eine politische Karriere hingelegt hat, die ihresgleichen sucht. Liest sich die Vergangenheit des Herrn Jäger eher nicht besonders aufregend, außer einem nicht abgeschlossenen Pädagogik-Studium wenig Bemerkenswertes, wurde er mit dem schwer kritisierten Sicherheitspapier des DFB und den in diesem Kontext stattfindenden TV-Talkshows plötzlich deutschlandweit bekannt. Während der politisch interessierte Bürger den Namen Jägers im Vorfeld höchstens aufgrund seines reichlich irritierenden Umgangs mit der Loveparade-Katastrophe wahrgenommen hatte, war Jäger plötzlich nicht mehr wegzudenken. In einem fort flankierte er nun seine Freunde von der Polizeigewerkschaft und wurde nicht müde, das Gefahrenpotenzial durch Fußballfans zu betonen.

Salafisten, Einbrecherbanden, Hooligans

 

Nun haben sie wieder zugeschlagen, die Innenminister auf der Frühjahrs-Konferenz am 13.06.2014

Eine neue Sicherheitsrunde wurde eingeläutet, die sich anscheinend der Bekämpfung von Terror, dem Schutz des Eigentums und natürlich um den Fußball dreht. Dass dann die Süddeutsche Zeitung im Stile einer Boulevardzeitung Terroristen, Einbrecher und Fußballfans in einem Atemzug nennt, ist nicht nur bedenklich, sondern für Organistationen, die sich für Fußballfans einsetzen, absolut niederschmetternd. Der Journalist Jan Bielicki hat nicht aufgepasst in der Vergangenheit, denn längst überholt ist es, die weinerlichen, falschen Zahlen der Polizeistatistik zu verwenden. Längst bekannt müsste ihm sein, dass Deutschland auch Probleme mit der Polizeigewalt hat sowie mit der glaubhaften Aussagekraft von Polizeibeamten und deren Gewerkschaften. Es hätte ihm bestimmt geholfen, wenn er sich die Mühe gemacht hätte, einmal in einer Suchmaschine das Wort Polizeigewalt einzugeben oder einfach einmal unsere Homepage zu lesen.

GdP interpretiert ACAB-Urteil nach eigenem Geschmack

 

Wie weit darf ein Lobbyverband der Polizei Recht und Gesetz übergehen, um Interessen der Mitglieder zu befeuern?

Ein langwieriges Verfahren vor den Karlsruher Justizbehörden hat vor wenigen Tagen sein Ende gefunden: Das OLG Karlsruhe hat die Revision eines Angeklagten gegen ein Berufungsurteil des Landgerichts betreffend das Zeigen eines ACAB-Banners im Stadion verworfen.

Nun wird der Bundesvorsitzende der GdP Oliver Malchow wie folgt zitiert: „Mit dieser Grundsatzentscheidung sehen wir uns in unserem jahrelangen Bemühen bestärkt, den strafrechtlichen Schutz von Polizistinnen und Polizisten zu erhöhen.“

Diese Aussage lässt doch aufhorchen. Zum einen bezeichnet Malchow eine Entscheidung als „Grundsatzurteil“, in der als Tenor steht „Die Berufung (…) wird verworfen.“