Klartext

Ingolstadt: Polizeibeamter lügt – doch der Gewalttätereintrag bleibt

 

Ein falscher Einsatzbericht genügt für eine Eintragung in die Gewalttäterdatei. Das ist keine überraschende Erkenntnis. Wenn es dann aber der Polizeibeamte ist, der wegen Verfolgung Unschuldiger angeklagt wird und es ein eindeutiges Gegenbeweisvideo gibt, würde man meinen, dass die Eintragung gelöscht, zumindest aber berichtigt wird. Doch: Fehlanzeige. 

So steht trotz der Anklage gegen den Beamten der Polizeiinspektion Ingolstadt weiterhin – für jeden Beamten bei INPOL - in den Polizeidateien zu lesen, das RSH-Mitglied habe einen  Beamten in den Rücken getreten, eine Flasche abgeschlagen und sei dann mit dieser auf den Beamten losgegangen. Die Bundespolizei weigert sich, den Eintrag zu ändern, denn das Verfahren gegen das RSH-Mitglied sei nur nach § 153 StPO wegen Geringfügigkeit eingestellt worden. Das stimmt zwar, nur macht das die Staatsanwaltschaft nach eigenem Ermessen, ohne Zustimmung des Betroffenen und ohne Möglichkeit, dagegen ein ordentliches Rechtsmittel einzulegen. Und es ändert nichts daran, dass der Sachverhalt schlicht und ergreifend unwahr ist. Auch der angebliche Widerstand bei der Festnahme, der noch notiert ist, ist unfassbar, denn die Fixierung unter weiterer Anwendung von Schlagstockeinsatz war offenkundig rechtswidrig. 

13.4.13 - Die Verzerrung eines misslungenen Polizeieinsatzes

 

Eine lustige Mottofahrt sollte sie werden, die Fahrt zur Bundesligapartie nach München am 13.4.13. Wenn man schon sportlich und im Stadion mit dem üblichen Grauen in der Landeshauptstadt rechnen musste, so versprach wenigstens die Verkleidung im Stile der 80er Jahre einiges. Kutten, Vokuhila-Frisuren, all diese Stilmittel einer Generation sollten einmal wieder aus der Mottokiste.

Der Traum von einer lustigen Fahrt geriet allerdings recht schnell zum Alptraum. In München wurde der Zug der Nürnberger, zu dem etliche Normalos, Frauen mit Kindern und Rentner genauso gehörten wie die später wieder unisono besungenen Ultras, sofort von vorne und hinten von Polizeikräften eingekesselt und auf einem extrem langen Umweg über die Felder Münchens Richtung Stadion geführt. Auf einem Weg, auf dem Gästefans normalerweise nicht geführt werden, weil er die Anreise der Münchner Fans (ja, der Fans, nicht der Besucher) kreuzt. Den Nürnberger Anhängern war es verwehrt, sich aus diesem an einen Almabtrieb erinnernden Szenario zu entfernen. Und wie es der Teufel will, gelang es einer doch recht großen Gruppe von Münchner Anhängern, die vom Morgen an, so spricht nun das Videomaterial, unter Beobachtung standen, gemütlich und ohne polizeiliche Intervention an die auf einer Brücke „gefangenen“ Nürnberger heranzukommen und diese anzugreifen. Dass eine Reaktion etlicher Personen aus den Nürnberger Reihen darauf erfolgte, ist kein Ergebnis, zu dessen Prognose man vorab eine Glaskugel gebraucht hätte.

Anfrage wegen V-Leuten läuft ins Leere

 
Eigentlich kann man es sich ersparen, an Ministerien Anfragen zu stellen. Dies gilt gleichwohl für Bürger der Bundesrepublik sowie für deren Parteien. Einzig erfüllend ist die teils plumpe Dreistigkeit, wie mit Anfragen generell umgegangen wird. Wer glaubt, dass er sich, seiner Partei oder seiner Organisation einen großen Gefallen tut, indem mit idealistischer Motivation Anfragen gestartet werden, im Hinterkopf den demokratischen Gedanken, den müssen wir leider enttäuschen: http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/025/1802546.pdf 
 
Sobald es kritisch werden könnte, weicht man aus und stellt sogar den Schutz bzw. die Sicherheit eines ganzen Landes in Frage. So bleibt nun weiterhin jede Menge Platz an Spekulationen um den Fan-V-Mann Thein. Leider trägt auch dieser nicht zur Aufklärung bei und hüllt sich weiterhin in Schweigen.

Selbstverständnis – FCN-Verantwortliche missbrauchen Fanbeirat

 

Am Mittwoch, 03.09.2014, wurde auf der FCN-Homepage ein sogenanntes Selbstverständnis veröffentlicht, nachzulesen unter: http://www.fcn.de/news/artikel/selbstverstaendnis-1-fc-nuernberg-und-seine-fans/   Darin heißt es:

„Im Zuge der Aufarbeitung von Vorkommnissen im Zusammenhang mit Anhängern des 1. FCN hat der Verein ein Selbstverständnis ausgearbeitet. Dieses Selbstverständnis dient als Leitbild für alle Fans des 1. FCN und wurde dem Fan-Beirat bei der letzten Sitzung vorgestellt.“

Es ist richtig, dass dieses Leitbild dem Fanbeirat vorgestellt und mit ihm diskutiert wurde, jedoch konnte sich von Seiten des Fanbeirates nicht jeder damit anfreunden. Das Selbstverständnis wurde im Fanbeirat sehr kontrovers diskutiert, was auch so protokolliert wurde. Eine Veröffentlichung im Namen des Fanbeirats und sogar die bloße Erwähnung des Fanbeirats im Zusammenhang mit diesem Selbstverständnis wurde von dessen Mitgliedern abgelehnt. 

Der Polizeierlass von NRW und sein Schöpfer

 

Von dem merkwürdigen Wandel des NRW-Innenministers Ralf Jäger

Bei Fußballfans ist er nicht gerade beliebt: Ralf Jäger, Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen. Das liegt wohl vor allem daran, dass er in der Vergangenheit auf ihrem Rücken, dem der Fans, eine politische Karriere hingelegt hat, die ihresgleichen sucht. Liest sich die Vergangenheit des Herrn Jäger eher nicht besonders aufregend, außer einem nicht abgeschlossenen Pädagogik-Studium wenig Bemerkenswertes, wurde er mit dem schwer kritisierten Sicherheitspapier des DFB und den in diesem Kontext stattfindenden TV-Talkshows plötzlich deutschlandweit bekannt. Während der politisch interessierte Bürger den Namen Jägers im Vorfeld höchstens aufgrund seines reichlich irritierenden Umgangs mit der Loveparade-Katastrophe wahrgenommen hatte, war Jäger plötzlich nicht mehr wegzudenken. In einem fort flankierte er nun seine Freunde von der Polizeigewerkschaft und wurde nicht müde, das Gefahrenpotenzial durch Fußballfans zu betonen.