Wo ist die Zweck- und Verhältnismäßigkeit geblieben?

Klartext

Wo ist die Zweck- und Verhältnismäßigkeit geblieben?

 

Wie üblich bei Auswärtsspielen in der Hansestadt Hamburg traf sich die Nordkurve Nürnberg ein paar Stunden vor Spielbeginn auch dieses Jahr am Montag an der Pilsbörse zentral auf der Reeperbahn mit etwa 600 – 700 Clubfans, um von dort gemeinsam die wenigen Kilometer zum Gästeblock des Millerntors zu laufen.

In den Jahren zuvor kam es dabei des Öfteren zu unschönen Situationen auf dem friedlichen Fußmarsch.

Martialisch auftretende Polizeiketten, Pferdestaffeln, die in die dichte Menge der zahlreichen Clubanhänger hineinritten, Schlagstock- und Pfeffersprayeinsatz und andere Probleme „begleiteten“ die Anhänger, obwohl zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise Konfliktpotenzial mit gegnerischen Fans vorhanden war, da diese schlicht und ergreifend nie auch nur in der näheren Umgebung der laufenden Club-Anhänger zu sehen waren.

Mitte Februar dieses Jahres der laufenden Spielzeit 2017/18 hielt sich die Hamburger Polizei auf dem wieder stattfindenden Fußweg ausgesprochen angenehm und verhalten zurück, so dass man ohne Probleme in entspannter Atmosphäre den Gästeblock erreichen und dann mit der ersten Kartenkontrolle und Leibesvisitation durch den örtlichen Ordnungsdienst den Einlass zunächst passieren konnte.

Nachdem man nun wie üblich darauf wartete, bis das Gros der Fanszene Nürnberg diese Kontrollen problemlos durchlaufen hatte, erwarteten einen bereits beim Hereinführen durch das Tor nach dem Einlass auf der rechten Seite (In Richtung Gästeeingang stehend) Hunde, die kaum zu halten waren und wie wild bellten, was für die bis dato lockere Atmosphäre stark kontraproduktiv war.

 

 

Hielt sich die Polizei nun wie gesagt bis hierhin zurück, schien es nun als legte sie alles darauf an, die mitgereisten Anhänger, die auf dem Vorplatz versammelt waren, zu provozieren und eine Eskalation herbeizuführen.

Ohne dass es im Vorhinein zu einer Straftat von Seiten der Clubfans gekommen war, und die Polizei irgendeinen verhältnismäßigen Grund gehabt haben könnte, nun auf Konfrontationskurs zu gehen, bildete eine zweistellige Anzahl von behelmten und voll ausgerüsteten Polizistinnen und Polizisten vor den Zugängen zum sehr viel engeren Innenbereich des Stadions eine Polizeikette.

Die eine Hand lag dabei im Anschlag zum Pfefferspray/Knüppel, die andere Hand an der Leine ihres Hundes, die versuchten, die FCN-Fans anzuspringen und dem Eindruck nach nur wenig engagiert von der Polizei zurückgehalten wurden.

Da man als Fußballfan bei Auswärtsspielen schon so einiges gesehen hatte, sorgte diese Situation an sich nicht für allgemeines Entsetzen, doch fragte sich nun jeder, was im Folgenden passieren sollte und zudem: Warum das Ganze überhaupt?

Diese Frage konnte uns keiner so wirklich beantworten – die Fanbetreuung kommunizierte uns dann, dass anscheinend einige wenige Personen von den Ordnern nicht kontrolliert worden waren. Wir sollten also für die Unaufmerksamkeit des Ordnungsdienstes kollektiv bestraft werden?

Es ist einzig und allein den anwesenden Clubfans zu verdanken, dass die Situation in diesem Moment nicht eskalierte und diese kühlen Kopf bewahrten, als sie sich in ihrer Vielzahl von immer noch ca. 200 Personen nun in einem 1m breiten Spalier durch die Polizeibeamten regelrecht hindurchquetschen mussten -  immer in der Sorge, dass die Polizei nun aggressiv den Knüppel schwingen würde oder die wild gewordenen Polizeihunde beißen könnten und man dann im Anschluss gekesselt vielleicht gar nicht mehr das Spiel sehen würde. Einigen Schubsereien und Rangeleien mit den Beamten zum Trotz (da man sich natürlich auch nicht alles gefallen lässt), konnten alle den Gästeblock entern und die rot-schwarze Mannschaft auf dem Rasen nach vorne schreien.

Die Frage, die sich danach jedoch bei so einigen gestellt hat, bleibt: Wo ist da noch die Zweck- und Verhältnismäßigkeit?