Klartext

Angriff mit „mit Nägeln gefüllten Flaschen“ auf Freiburger Fanprojekt – reiner polizeilicher und journalistischer Erfindungswahnsinn

 

Über zwei Jahre ist es her, dass uns die Polizei über die Medien wieder einmal „eine neue Dimension der Gewalt“ präsentierte, ausgeübt wie angeblich so oft von Glubbfans.

Laut waren sie, die Stimmen derer, die ihr Entsetzen über die Würfe von mit Nägeln gefüllten Flaschen auf das Freiburger Fanprojekt und den angeblich erzwungenen falschen Anfahrtsweg kundtun zu müssen glaubten.

Die ersten Meldungen lasen sich ja auch sehr ansehnlich, zum Beispiel in den Ausführungen einer regionalen Onlineplattform, die sich immer recht gern fern vom Boulevard sehen will (vergleiche: Clubfans: Wüste Schlägerei in Freiburg?). Man mag sich nur die Kommentare, die wie üblich die sogenannte „Netiquette“ zu wahren wissen (die offenbar völlige Äußerungsfreiheit als höchstes Gut sieht) durchlesen.

Selbst die Leitung des SC Freiburg hielt es für angebracht, das fürchterliche Verhalten der Glubbfans in der Öffentlichkeit zu kommentieren. Rechtsstaatlich gebotene Aufklärung von Vorfällen ist nicht jedermanns Sache, genau so wenig wie man im Anschluss eine Klarstellung von den für die Meldungen verantwortlichen Stellen erfuhr.

DENN: Kein einziger von der Polizei befragter Zeuge konnte bestätigen, dass Flaschen mit Nägeln geworfen wurden. Vielmehr gibt es klare Aussagen dahingehend, dass in den Nürnberger Bussen nur Kunststoffflaschen mitgeführt wurden. Der Nagelvorwurf basiert augenscheinlich auf einer bizarren Verkettung von unaufgeräumten Straßen voll alter Schrauben und der durch Zeugen beschriebenen Werferei von Flaschen aus dem Freiburger Fanprojekt (!!!) heraus.

Ein angeblich zum falschen Abbiegen gezwungener Busfahrer übrigens gab an, dass der Abbiegefehler allein von ihm verschuldet wurde. Von einem Zwang durch Fans, zum Fanprojekt abzubiegen und polizeiliche Weisungen damit zu ignorieren, keine Rede.

Auch das wurde im Nachhinein nie richtiggestellt. Es geht offenbar nicht um eine korrekte Information der Öffentlichkeit, sondern ausschließlich um den Reiz dramatischer Meldungen.

Im Rahmen der Ermittlungen rund um den Vorfall wurde übrigens auch Gebrauch von einer Analyse der Verkehrsdaten von zum Zeitpunkt des Geschehens in die dortige Funkzelle mittels Mobiltelefon eingeloggter Personen vorgenommen. Es sollte festgestellt werden, ob etwa eine zwischen Nürnberger und Freiburger Fans abgesprochene Auseinandersetzung stattgefunden hatte.

Hierbei trug sich ein weiteres bemerkenswertes Szenario zu. Über die eingeloggten Personen aus Nürnberg wurde nämlich von den Szenekundigen Beamten mitgeteilt, wie diese jeweils einzuschätzen seien. Unabhängig davon, dass über ein RSH-Mitglied ausdrücklich gemeldet wurde, dass dieses nicht zum gewaltbereiten Teil der Fans gehöre, wurden seine Verkehrsdaten trotzdem erhoben. Der hierzu ergangene richterliche Beschluss wurde durch zwei Instanzen für richtig befunden, auf die entgegenstehende Einschätzung der Szenekundigen Beamten gehen die Entscheidungen allerdings nicht mit einem Wort ein. 

Für uns ist das einmal mehr ein Beleg dafür, dass es im Rahmen des Fußballs eine andere Rechtswelt gibt.