Klartext

Die merkwürdigen Kapazitäten der Polizeidienststellen

 

Im Rahmen von Talkrunden hört man es immer wieder: Die Polizei ist hoffnungslos unterbesetzt, wenn etwas Schlimmes passieren wird, dann deshalb. Man bräuchte viel mehr Einsatzkräfte. Dies zu betonen, werden die Gewerkschaftssprecher und andere Lobbykämpfer nicht müde.

Umso seltsamer mutet es dann an, wenn man den Fall des Luigi Fritz (Name von der RSH geändert) betrachtet. Luigi hat sich in der Vergangenheit nicht gerade bieder aber auch nicht allzu wild verhalten. Seine Heimatgemeinde war jedenfalls der Meinung, gegen ihn eine Meldeauflage erlassen zu müssen, unter anderem wegen so dramatischer Vorfälle wie einer Identitätsfeststellung und - man höre und staune! - weil Luigi einmal betrunken von einer Brücke geplumpst war.

Sei es drum, das Erstaunliche in unserem Fall ist nicht die Tatsache, dass eine Meldeauflage ergangen ist (das erstaunt mittlerweile niemanden mehr), sondern vielmehr, für welche merkwürdigen Aufgaben die Polizei dann plötzlich doch Kapazitäten hat.

Die Meldeauflage erhielt Luigi nämlich erst einmal per Post. Anschließend erschienen tags darauf am Morgen persönlich Polizeibeamte an der Tür des Elternhauses von Luigi, um genau das gleiche Schreiben noch einmal zu übergeben. Weil Luigi aber nicht da war, nahm man sich die Zeit, ihn am Vormittag auf der Wache antanzen zu lassen, um ihm das Schreiben gegen Unterschrift auszuhändigen. Damit nicht genug: Gegen Mittag brachte der Briefträger nochmals dasselbe Schreiben per Einschreiben vorbei.

Möglicherweise ist den Talkshowgästen einfach nicht bekannt, was die bereits vorhandenen Beamten so machen. Solange Raum und Zeit für die Zustellung von Schriftstücken in Drittschrift verbleibt, scheint es zumindest in der betreffenden Gemeinde eine einigermaßen solide Personaldecke zu geben.