Klartext

Sportschau Werbung - eine unendliche Geschichte von Peinlichkeiten

 

Alle Jahre wieder muss man sich die Frage stellen, ob die für ARD-Sportschau-Werbung Verantwortlichen von dem besonderen Ehrgeiz besessen sind, treffsicher in sämtliche bereitstehenden Fettnäpfchen zu treten.

Vor Saisonbeginn 2011 war es ein Plakat, auf dem Lukas Podolski jubelnd die Faust hochreckt, während im Hintergrund Rauch und Bengalos zuhauf zu sehen sind, woraufhin zurecht - auch von uns - der Vorwurf der Doppelmoral erhoben wurde.

Im Jahr darauf hatte man die glorreiche Idee, einen Werbespot zu produzieren, in dem eine Comic-Neandertalerin versucht, ihren Partner durch einen Striptease von der Sportschau abzulenken, was vielfach als sexistisch und frauenfeindlich gebrandmarkt wurde.

Heuer nun glänzt man durch ein Plakat, auf dem ein Saubermann-Bubi im Sportschau-Trikot, der sich offenbar in einer englischen Hooligankneipe aufhält, umringt von drei zutätowierten, finster bis provokativ blickenden "harten Typen", von denen ihm zwei freundschaftlich die Hand auf die Schultern legen, selig in die Kamera grinst. Gekrönt wird das Ganze noch durch den Slogan "Respekt muss man sich verdienen."

Was will uns das Plakat sagen?

Uns, der ARD-Sportschau, geht es um den Respekt der Szene, die das Fernsehen ansonsten gerne immer mal wieder pauschal diffamiert, an den Pranger stellt und in reißerisch aufbereiteten "Dokumentationen" mit skrupellosen Verbrechern in einen Topf wirft?

Oder: Wir, die ARD-Sportschau, sind so gut, dass sogar die härtesten der Harten uns Respekt entgegenbringen - und wir sind stolz darauf?

Wohl beides nicht.

Schon eher kokettiert man einmal wieder mit der Aura des "Bösen" und "Verbotenen", das man doch eigentlich am liebsten komplett aus den Stadien verbannt wüsste, um den harmlosen "Vätern mit ihren Kindern" einen "gefahrlosen Stadionbesuch" zu ermöglichen, der ihnen von den schlimmen Randalierern ja derzeit angeblich immer noch unmöglich gemacht wird.

Hat der "kreative Kopf", der hinter der Plakatidee steckt, einfach auf die unterbewusste Wirkung als eye-catcher abgezielt, durch die sich das beworbene Produkt in den tieferen Schichten der Passantengehirne einbrennen soll?

Möglich. Wäre da nicht der zitierte Slogan. Und wäre es nicht eine englische Kneipe.

So gesehen lautet die Botschaft doch wohl: In England herrschen Zustände, die Personen wie den abgebildeten keinen Stadionbesuch mehr ermöglichen. Gäbe es uns nicht, würden diese von unserem tollen deutschen Fußball überhaupt nichts mehr mitkriegen. Denkt schon mal dran, wenn es hier bei uns auch bald so weit ist!

Ach was! Wahrscheinlich ist die Sportschau-Werbung einfach nur doof, primitiv, heuchlerisch, vordergründig, aufs Plakative konzentriert und von unfassbarer Doppelmoral gekennzeichnet.

Macht euch doch nicht immer wieder lächerlich!