Gerichtsurteile

OLG Frankfurt am Main: Veranstalter von Bundesliga-Fußballspielen müssen keine Metalldetektoren einsetzen

zu OLG Frankfurt a. M., Urteil vom 24.02.2011 - 3 U 140/10.

 

Vor einem Bundesligafußballspiel kann es ausreichend sein, wenn alle Zuschauer vor dem Betreten des Stadions einer Kontrolle unterzogen, alle Fans des Gästevereins zusätzlich ein zweites Mal vor Betreten des Stadionblocks kontrolliert und zudem stichprobenweise einzelne Fans ein drittes Mal untersucht werden. Mit Urteil vom 24.02.2011 hat das Oberlandesgericht Frankfurt am Main deshalb die Ansprüche eines Mannes zurückgewiesen, der von der Veranstalterin eines Bundesligafußballspiels Schadensersatz verlangt, weil er während des Spiels durch einen Feuerwerkskörper verletzt worden sein will. Moderne Sicherheitstechnologien wie etwa Metalldetektoren oder Scanner, die eine intensivere Untersuchung der Zuschauer ermöglichen, müssen nach der am 08.03.2011 veröffentlichten Entscheidung nicht unbedingt zum Einsatz kommen (Az.: 3 U 140/10).

Sachverhalt

Der Kläger war als Rasenpfleger bei einem von der Beklagten im April 2008 in der Commerzbank-Arena in Frankfurt am Main veranstalteten Bundesligaspiel eingesetzt. Während des Spiels wurden aus den Fanblöcken mehrere Feuerwerkskörper gezündet. Der Kläger behauptet, zumindest einer dieser Feuerwerkskörper sei in der Nähe seines Kopfes explodiert. Hierdurch habe er einen dauernden Hörschaden erlitten und leide zudem an Kopfschmerzen, Schwindel und Schlafstörungen. Das Landgericht Frankfurt am Main hat die Klage auf Schmerzensgeld, Verdienstausfall und Feststellung der Ersatzpflicht aller sonstigen Schäden nach der Vernehmung von zwei Zeugen abgewiesen, weil eine Verletzung der Sorgfaltspflicht der Beklagten als Veranstalterin nicht feststellbar sei.

Hohe Anforderungen an Schutz der Beteiligten

Die hiergegen eingelegte Berufung des Klägers zum OLG blieb jetzt ebenfalls ohne Erfolg. Nach Auffassung des Gerichts ist der Beklagten eine Verletzung der sie als Veranstalterin treffenden Verkehrssicherungspflicht nicht vorzuwerfen. Auch wenn bei Sportveranstaltungen, insbesondere Fußballspielen, an den Aufwand zum Schutz der Beteiligten besonders hohe Anforderungen zu stellen seien, weil durch das Aufeinandertreffen rivalisierender, emotionsgeladener und zum Teil sogar gewaltbereiter Fans die Gefahr tätlicher Auseinandersetzungen bestehe, habe die Beklagte die an ihre Sicherungspflicht zu stellenden Anforderungen «gerade noch» erfüllt.

Ausreichendes Sicherheitskonzept

Die Beklagte habe bedenken müssen, dass zu den verbreiteten Risiken von Bundesligafußballspielen das Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände gehöre und damit erhebliche Gefahren für alle Beteiligten verbunden seien. Darüber hinaus habe die Beklagte auch berücksichtigen müssen, dass es sich um ein so genanntes Risikospiel gehandelt habe, weil es zwischen den rivalisierenden Fans beider Mannschaften schon in der Vergangenheit zu Ausschreitungen gekommen war. Diesen Gefährdungen habe die Beklagte aber – jedenfalls nach dem seinerzeit üblichen Standard – ein noch ausreichendes Sicherheitskonzept entgegengesetzt. Hiernach seien alle Zuschauer vor dem Betreten des Stadions einer Kontrolle – insbesondere auch auf das verbotene Mitführen von Feuerwerkskörpern hin – unterzogen, alle Fans des Gästevereins zusätzlich ein zweites Mal vor Betreten des Stadionblocks kontrolliert und zudem stichprobenweise einzelne Fans ein drittes Mal untersucht worden.

Höheres Maß an Sicherheitsvorkehrungen zukünftig wünschenswert

Dass moderne Sicherheitstechnologien (Metalldetektoren oder Scanner), die eine intensivere Untersuchung der Zuschauer ermöglicht hätten, nicht zum Einsatz gekommen seien, könne der Beklagten im konkreten Fall nicht vorgeworfen werden. Zwar könne sie in Anbetracht der im Profifußball erzielten Umsätze nicht damit gehört werden, dass der Einsatz dieser Geräte zu kostenintensiv sei. Die von der Beklagten durchgeführten Kontrollen hätten sich aber im Rahmen dessen gehalten, was bei anderen nationalen und internationalen Fußballspielen aktuell üblich sei. Wenn auch ein höheres Maß an Sicherheitsvorkehrungen zukünftig wünschenswert sei, habe die Beklagte doch ihrer Verkehrssicherungspflicht genügt, indem sie diejenigen Maßnahmen ergriffen habe, die nach der herrschenden Meinung seinerzeit für erforderlich gehalten wurden.

Quelle: beck-aktuell-Redaktion, Verlag C.H. Beck, 10. März 2011.