Abgeschlossene Fälle

Friedel und Rudi auf großer Fahrt

 

Einmal Manchester erleben. Für viele Fußballanhänger ein Lebenstraum. So auch für Friedel Karren (Name von der RSH geändert) und seinen Sohn Rudi (Name ebenfalls geändert). Nachdem die beiden Glubbfans sind, der Vater mehr als der Sohn, nahm man ein Gastspiel des befreundeten Vereins Schalke 04 zum Anlass, um sich den Traum zu erfüllen.

Also auf zum Münchener Flughafen und Abflug nach Manchester? Denkste!

Als die beiden bereits eingecheckt waren, kam die Bundespolizei ins Spiel. Der junge Rudi habe einen Eintrag in der Datei Gewalttäter Sport, man müsse dies prüfen. Prüfen ist das eine, Fakten schaffen das andere. Wie sooft von derartigen Situationen berichtet wird, wurde den beiden Betroffenen bereits vorab zu verstehen gegeben, dass sie ihren Flieger wohl nicht erreichen würden. Aha? Also ein faktisches Ausreiseverbot? Jedenfalls wurde die Maßnahme der „Kontrolle“ so lange hingezogen, dass der Flieger und damit das Spiel in den Himmel entschwebt waren. Erst dann kam die Mitteilung, dass einer Ausreise nichts im Wege stünde. Weshalb man aber die Kontrolle nicht in der Form beschleunigt hatte, dass man beide gleichzeitig und nicht einzeln hintereinander überprüfte (bei dem bekannt knappen Zeitfenster), wurde bis heute nicht geklärt.

Bumm - Zock - Strafverfahren - Freispruch

 

Eine sehr kuriose Geschichte erlebte  RSH-Mitglied Moritz S. (Name von der RSH geändert) bei einer Auswärtsfahrt in nördliche Gefilde. Während eines Aufenthaltes an einer Raststätte stand die Busgesellschaft auf dem Asphalt herum, als plötzlich irgendein besonderer Witzbold einen Böller zündete und diesen in Richtung eines ebenfalls an dem Parkplatz befindlichen Herren rollen ließ. Der Böller knallte, der Mann ärgerte sich und und hatte ein Pfeifen im Ohr.

Natürlich wollte der Betroffene zu gern wissen, wer ihm diese Ungemach beigebracht hat. Es gab also einigen Disput hin und her, bis schließlich Moritz ins Spiel kam, der zu dem Mann ging und ihm erklärte, dass er ihm seine Kontaktadresse gebe, für den Fall, dass irgendetwas sein sollte . Daraufhin reiste der Bus ab.

Der Herr allerdings trug von dem Übergriff doch mehr davon als nur den Schrecken. Er erlitt Schädigungen am Ohr. Darauf erinnerte er sich an Moritz‘ Kontaktdaten . Was nun folgte, war für Moritz durchaus atemberaubend. Der Herr erstattete nämlich Anzeige – gegen Moritz. Moritz sei zu ihm gekommen und habe sich dafür entschuldigt, dass er, Moritz, den Böller gezündet habe. Er sei gleich zweimal zu ihm gekommen und habe erklärt, er habe „das“ nicht gewollt.

Straffer Zeitplan: Termin um 13 Uhr 12 führt zu Beleidigungsanzeige

 

Es gibt Menschen, die planen ihre Termine straff. Dies nahmen auch Beamte der Kriminalpolizei zur Kenntnis, als sie einen Anhänger des Glubb und Mitglied der RSH nach einer gerichtlich angeordneten erkennungsdienstlichen Behandlung zur Verabschiedung an die Tür begleiteten. Er müsse ohnehin dringend weg, teilte der Betroffene den verdutzten Beamten mit: "Ich hätte sowieso gehen müssen, weil ich um 13.12 Uhr einen anderen Termin habe." Die beiden Kommissare wunderten sich, so schreiben sie später nieder, "was er denn für einen Termin haben könne."

Dass ein Glubbfan einen anderen Termin hat, fanden sie dann glatt so aufsehenerregend, dass sie einen sog. szenekundigen Beamten der Nürnberger Polizei kontaktierten. Sie berichteten ihm, dass der Herr "um 13.12 Uhr noch einen Termin hat", heißt es später in der Zeugenvernehmung. Der Beamte der Polizeiinspektion Nürnberg-Süd interessierte sich dann aber weniger für die Verabredung des Betroffenen, sondern erläuterte den Kollegen von der Kripo, dass der Herr sie "wohl auf eine subtile Art und Weise" beleidigen haben wolle, weil die Zahlenkombination 1312 für "All Cops Are Bastards" stehe.

Stadionverbot per Email: Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft nicht wirksam

 

Beim Bundesligaspiel des Glubb in Hoffenheim am 27.04.2013 zeigte sich ein sog. Szenekundiger Beamter (SKB) aus Nürnberg besonders eifrig. Er entdeckte einen Glubb-Anhänger im Stadion, gegen den ein Stadionverbot des TSV 1860 München vorlag. Es folgte die übliche Prozedur: Ermittlungsverfahren einleiten, Strafanzeige der TSG Hoffenheim einholen, gleich noch ein weiteres Stadionverbot aus Hoffenheim anfordern.

Es drohte eine Bestrafung wegen Hausfriedensbruchs. Als der eingeschaltete RSH-Anwalt die Ermittlungsakte der Staatsanwaltschaft Heidelberg erhielt, zeigten sich jedoch erhebliche Zweifel, ob das Stadionverbot aus München überhaupt wirksam war. Denn dieses wurde nur per Email zugestellt. Die Zustellung per Post hatte nicht funktioniert, da das Schreiben an eine falsche Adresse erfolgte.

Die Polizei ging von einer wirksamen Zustellung per Mail aus und schickte die Akte wegen Hausfriedensbruchs an die Staatsanwaltschaft. Der Verein habe die Emailadressen gekannt, weil der Betroffene den TSV 1860 München schon einmal wegen der Aussetzung eines früheren Stadionverbots per Mail angeschrieben habe, so die Polizei. Außerdem habe der SKB am Rande des Bundesligaspiels vom 13.04.2013 den Glubbfan "belehrt", dass ein Stadionverbot bestehe. Dieser erwiderte jedoch, dass er keine Mail erhalten habe.

Nürnberger Ordnerin: Ich verhinderte Platzsturm gegen Wolfsburg – Zaunsägefall endet mit Freispruch

 

„Die Ultras waren sauer!“ Vehement trat eine Nürnberger Ordnerin vor der Jugendrichterin in Bad Neustadt an der Saale als Zeugin auf. Zur Bundesligapartie des 1. FC Nürnberg gegen den VfL Wolfsburg am 03.11.2012 sollte sie ihre Wahrnehmungen berichten. „Das war ein ganz wichtiges Spiel für Nürnberg", behauptete sie über das Novemberspiel, „ich glaube eines der letzten drei Spiele in der Saison, da ging es richtig um was.“ Und weil sie so sauer gewesen seien, die Ultras, gäbe es den Plan, den Platz zu stürmen, so die Warnung ihrer Chefin.

Bereits deutlich vor Spielbeginn postierte sich die Ordnerin auf der Aschenbahn vor dem Block 9. Und siehe da: Eine halbe Stunde lang habe sie beobachtet, dass sich mehrere Personen hinter einem Banner auffällig verhielten. Sie hätten sich immer wieder gebückt. Das Banner bewegte sich verdächtig, so die Zeugin. Just in diesem Moment entdeckte sie, dass an anderen Stellen im Absperrzaun zwischen dem Block 9 und dem Stadioninneren einzelne Eisenstäbe fehlen.