Abgeschlossene Fälle

85 „nicht normale Fußballfans“ rechtswidrig im Münchner Gewahrsam

 

Vor der Bundesligapartie des Glubb am 29.10.2011 in München fackelte die Polizei nicht lange. Gegen 14.15 Uhr stellte eine Verkehrsstreife der Polizei fest, dass sich eine „dunkel gekleidete und teilweise vermummte Gruppe“ in Richtung Arena bewege. Die Polizei notierte später, dass diese Personen nicht als „normale“ Fußballfans erkennbar gewesen seien. Sie hätten wie ein schwarzer Block gewirkt. Teilweise hätten Personen aus dieser Gruppe Fahnenstangen getragen, die sie schlagbereit in den Händen hielten. Fahnen für diese Stangen seien nicht vorhanden gewesen.

Auf dem Busparkplatz Süd gingen etliche Personen „forsch und provozierend“ auf die aus den Bussen aussteigenden „normalen“ Fans des FC Bayern zu, schreibt die Polizei weiter. Zu handfesten Auseinandersetzungen sei es nicht gekommen, weil die „normalen“ Fans den Provokationen ausgewichen seien.

Boulevardblatt WAZ unterschreibt Unterlassungserklärung

 

Da staunte das RSH-Mitglied Klaus Dübel (Name von der RSH geändert) nicht schlecht, als er im Internet ein Foto von sich mit der Überschrift „Nürnberger Randalierer warfen Tische und Stühle auf Polizisten“ entdeckte (Presse Link WAZ: Nürnberger Randalierer warfen Tische und Stühle auf Polizisten).

Nach Studium des Artikels stellte er fest, dass es sich bei dem Bericht der WAZ vom 13.05.2013 um das Fußball-Bundesligaspiel des Glubbs in Düsseldorf handelte.

Nun war Klaus Dübel durch das abgebildete Foto der Held im Kreise aller bundesweiten Fußball-Talibans und Randalierer, praktisch der König der Hooligans! Das Problem bei der ganzen Geschichte ist: Klaus war gar nicht in Düsseldorf, geschweige denn an den beschriebenen WAZ-Ausschreitungen beteiligt. Mit fremden Federn wollte er sich denn doch nicht schmücken und verständigte die Rot-Schwarze Hilfe.

Ein Becher flog über die Zivilbeamten: Dieses Bier war richtig teuer

 

Bei der Bundesligapartie Glubb gegen Hoffenheim am 25.01.2014 hatten sich Zivilbeamte der Polizei die Reihe eins des Oberrangs über dem Gästestehblock ausgesucht, um wichtige Polizeiarbeit zu verrichten. Und siehe da, sie hörten einen Nürnberger Anhänger, wie er seinen Kumpels versprach: „Wenn der Glubb ein Tor schießt, werf‘ ich meinen Becher.“

Prompt flog der Ball ins Netz und dann der Becher, halb mit Bier gefüllt, in den Unterrang. Er landete in einer der vorderen Reihen des Gästeblocks auf dem Kopf eines 17jährigen aus der Nähe von Sinsheim, der eine kleine Wunde davontrug. Die Beamten, die so taten, als würden sie mitjubeln, waren mit aufgesprungen und hatten den angekündigten Wurf aus Reihe zwei unmittelbar mitverfolgt. Einer der Beamten eilte in die Stadionkanzel, um den Übeltäter abfotografieren zu lassen. Der andere Beamte verfolgte den Becherwerfer, damit dieser nicht entwischen konnte.

Anzeige gegen Nürnberger SKB bleibt erfolglos

 

Die Durchführung eines Strafverfahrens gegen einen Polizeibeamten, welcher anlässlich der Vorfälle beim DFB-Pokalspiel vom 20.12.2012 zwei junge Männer erkannt haben wollte, die sich hierbei Straftaten zu Schulden hätten kommen lassen, wobei sich später herausstellte, dass eine sichere Identifizierung der beiden Männer anhand der umfangreichen Video-Dokumentationen gar nicht möglich war und sie deswegen auch gar nicht verfolgt hätten werden können, wurde von der Staatsanwaltschaft und Generalstaatsanwaltschaft abgelehnt.

Der entsprechenden Strafanzeige wegen falscher Verdächtigung, übler Nachrede und Verfolgung Unschuldiger wurde deswegen keine Folge geleistet, weil kein Nachweis geführt werden konnte, dass der Polizeibeamte "wider besseres Wissen" gehandelt hat und nicht nur sein fehlerhaftes Handeln "billigend in Kauf genommen" hat. Rechtlich wird mit dieser Abgrenzung die Differenzierung zwischen direktem Vorsatz und bedingtem Vorsatz definiert. Eine Strafbarkeit des Polizeibeamten sei aber nur bei direktem Vorsatz möglich.

Haftbefehl auf SKB-Initiative

 

Spektakulärer Festnahme vor dem Stadion folgt keine Strafe wegen Verstoß gegen Stadionverbot.

Kreativ sind sie, die sogenannten szenekundigen Beamten. Und eifrig! Sie übernehmen Postbotentätigkeiten und übermitteln Stadionverbote sogar im Ausland. Und sie regen Haftbefehle an. Doch gelegentlich bleibt der Erfolg, strafrechtliche Verurteilungen zu erwirken, doch aus. Denn nicht jedes Betreten eines Stadions trotz Stadionverbots ist automatisch ein Hausfriedensbruch. Die Rechtslage ist mehr als schwierig.

Der Anruf eines Nürnberger Beamten bei der Strafrichterin blieb erwartungsgemäß nicht folgenlos: Ein bereits verurteilter Glubbfan, der in Kürze eine Haftstrafe anzutreten habe, mache mittlerweile, was er wolle. So die Botschaft am Telefon. Er sei mehrfach bei FCN-Partien in Fußballstadien
gesichtet worden, trotz bundesweitem Stadionverbot. Und auch aus anderen Gründen folge, dass er sich einem Verfahren wegen Bewährungswiderrufs wohl entziehen wolle. Die Richterin fackelte nicht lange und erließ noch am selben Tage einen Sicherungshaftbefehl, den sie sogleich der Polizei übermittelte. Und die nahm ein Heimspiel des 1. FC Nürnberg zum Anlass, den Haftbefehl unmittelbar vor dem Stadion zu vollstrecken. Das RSH-Mitglied wurde spektakulär vor den Augen seiner Freunde festgenommen und in die JVA verbracht.