Abgeschlossene Fälle

Akte „Container-Aufbruch“: ungelöst

 

Der RSH-Container im Stadion ist seit dem ersten Spiel dieser Saison wieder geöffnet. Seit der ominösen Aufbruch-Affäre vor dem Bundesligaspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth war er geschlossen, da die Umstände des Aufbruchs ungeklärt waren. Nun hat die RSH eine schriftliche Nutzungsvereinbarung mit dem 1. FC Nürnberg, der Eigentümer des Containers ist, geschlossen: Ein Betreten des Containers ist nur im Notfall erlaubt – die RSH hat dabei ein Anwesenheitsrecht.

Die Umstände des Aufbruchs vor dem Spiel gegen die Fürther bleiben dagegen im Dunkeln. Wer hatte ein Interesse, den Container der RSH zu durchsuchen? Zur Erinnerung: Am besagten Spieltag stellten RSH-Mitarbeiter fest, dass das Eingangsschloss ausgetauscht worden war. Der Schlüssel passte nicht mehr. Zunächst hieß es, es sei ein bedauerliches Versehen gewesen, die RSH nicht zu informieren. Der Schlüssel habe ausgetauscht werden müssen, da der Ersatzschlüssel nicht auffindbar war. Doch beim Betreten der Innenräume zeigte sich: Auch zum Innenraum, der durch einen anderen Schlüssel verschlossen ist, hatte sich jemand Zutritt verschafft. Und die Schubladen standen offen. Offenkundig hatte sich jemand dafür interessiert, was sich im RSH-Container befindet. Unmittelbar vor einem sogenannten „Risiko-Spiel“.

Für eine Hand voll Schilling - Ein Beispiel, wie sich die polizeilichen Einsatzzahlen Fußball erklären

 

Saison 2014/2015. Heimspiel des Glubb gegen St. Pauli. Ein paar Gäste aus Wien statten Nürnberg einen Besuch ab, um das Spiel zu sehen.

Als Gäste werden sie sich später nicht mehr fühlen. Später, wenn einige von ihnen aufgrund bagatellhafter Vorwürfe nach Stunden im Polizeigewahrsam endlich wieder ihrer Wege gehen dürfen.

Stunden, nachdem sie im Stile eines Anti-Terror-Einsatzes mit ihren wenigen Neunsitzern in der Valznerweiherstraße zwischen Ben-Gurion-Ring und Waldluststraße in einem komplett gesperrten Straßenabschnitt vor gaffenden Anwohnern von insgesamt  mehr als zwanzig Einsatzfahrzeugen kontrolliert worden sind. In denen ein Pizzalieferant staunend vor einem Flatterband steht und nicht weiß, was er mit seinem Karton anfangen soll. In denen Passanten sich fragen, ob eine Terrorzelle in Nürnberg ausgehoben wurde.

Was aber löst einen derart gigantischen Einsatz aus? Eine völlig neue Dimension der überzogenen polizeilichen Fußballsachbehandlung?

Landgericht Ingolstadt verurteilt Polizisten wegen Verfolgung Unschuldiger – Strafe abgemildert

 

Im Fall des Polizeibeamten, der einen Fan, der Eintracht Bamberg unterstützt und Mitglied der Rot-Schwarzen Hilfe ist, nach einem Spiel des FC Ingolstadt II gegen Eintracht Bamberg zunächst mit einem Schlagstock verletzte und anschließend einen falschen Einsatzbericht abgab, ist am 27.05.2015 das Berufungsurteil des Landgerichts Ingolstadt ergangen. Es ist einzigartig hinsichtlich der Schwere des Vorwurfs.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Beamte wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt in einem Fall ebenso schuldig ist wie wegen des Verbrechens der Verfolgung Unschuldiger. Nach dreitägiger Hauptverhandlung reduzierte es die Strafe, die das Amtsgericht Ingolstadt verhängt hatte, jedoch deutlich. Ob der vorläufig suspendierte Beamte aus dem Dienst entfernt wird, wird erst ein Disziplinarverfahren zeigen.

Polizei-„Foltervorwurf“ interessiert Staatsanwaltschaft nicht

 

Eine bis dahin schwer vorstellbare Grenze wurde damals im September 2013 in Braunschweig von der eingesetzten Polizei überschritten (Ungeheuerlicher Verdacht: Glubbfan in Braunschweig von Polizei gefoltert?).

Nun müssen wir erneut wie so oft einen unbefriedigenden Schlussstrich unter einer Sache ziehen: Alle von der RSH angezeigten Verfehlungen der Polizei wurden von der Staatsanwaltschaft und später auch vom Generalstaatsanwalt Braunschweig zügig eingestellt. In der Begründung argumentierte die Staatsanwaltschaft mit Notwehr- bzw. Nothilfesituationen der Polizeibeamten, mit Gefahrenabwehr und Platzverweisen (in einer Kneipe!!), nicht bildlich erfassten Tumulten, Widerstand und aggressiven Handlungen. Das spätere Quälen/Malträtieren unseres Mitgliedes im Polizeiauto erfuhr keine Erwähnung.

Mit dem Zweiten sieht die Polizei nicht besser: ZDF als Helfer der Justiz

 

Mit gestochen scharfem Bildmaterial versorgte ein ZDF-Mann, dessen Namen die Polizei nicht in die Akte notieren wollte, die PI Nürnberg-Süd nach der Bundesligapartie des Glubb gegen Hannover am 03.05.2014. Ein Böller flog da nach Abpfiff in Richtung Tartanbahn. Ein mehrere Meter entfernt stehender Ordner blickte beiläufig in Richtung des Böllers, erkennbar ohne gefährdet oder gar erschrocken zu sein. Das hinderte die Polizeiinspektion Nürnberg-Süd freilich nicht, sogleich eine Anzeige wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung zu schreiben. Der Böller hätte bei einer anderen Fluglänge jemanden treffen können.

Die Anzeige gegen den 19jährigen Böllerwerfer wurde unverzüglich mangels Strafbarkeit durch die Staatsanwaltschaft eingestellt, die Stadt Nürnberg verhängte ein Bußgeld über 100 Euro. Ein Stadionverbot wegen „versuchter gefährlicher Körperverletzung“ war zu diesem Zeitpunkt seitens der Polizei bei dem 1. FC Nürnberg bereits angeregt worden. Da sich der Betroffene im Anhörungsverfahren verpflichtete, 500 Euro Schadensersatz wegen der Verurteilung durch die DFB-Sportgerichtsbarkeit an den Verein zu zahlen, wurde das bundesweite Stadionverbot durch den Verein verhängt, aber zur „Bewährung“ ausgesetzt.