Abgeschlossene Fälle

Erfundene Pyrotechnik kostet 35 000 Euro

 

Wir erinnern uns an den 9. Februar 2013. Im Vorfeld der Bundesligabegegnung des 1. FC. Nürnberg bei Eintracht Frankfurt streute die Nürnberger Polizei das Gerücht, dass sich die Nürnberger Anhänger im osteuropäischen Raum mit 200 Kilogramm (!) Pyrotechnik für dieses Auswärtsspiel eingedeckt hätten. Bekanntlich erwies sich diese Behauptung als unwahr. Wir haben darüber – und die Folgen - bereits ausführlich berichtet: Nürnberger Polizeimärchen führt zur Eskalation beim Auswärtsspiel

Nach über 2 ½ Jahren können wir mitteilen, dass alle nach der Eskalation vom 09.02.2013 eingeleiteten Verfahren beendet sind. Es wurden mindestens 21 Fans angeklagt. Die Vorwürfe lauteten: Vermummung, Körperverletzung, Sachbeschädigung und Landfriedensbruch. Es wurden Geldstrafen in Höhe von 

35 130 Euro ausgesprochen, zudem drei Gefängnisstrafen von sechs bis zehn Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Außerdem sprach Eintracht Frankfurt zahlreiche Stadionverbote aus.

NRW - Polizeigewalt interessiert Justiz nicht

 

21.09.2013, Schalke 04 - FC Bayern München. Nach Spielende geriet RSH-Mitglied Barbara C. (Name von der RSH geändert) völlig unvermittelt in eine Situation, die für sie in einem Strafverfahren endete.

Barbara beobachtete einen Konflikt zwischen zwei kleineren Fangruppen. Was sie zunächst noch als nicht allzu ungewöhnlich wahrnahm, wurde in ihren Augen extrem, als eine herbeigeeilte Polizeieinheit in das Geschehen eingriff - und zwar in einer, wie Barbara befand, völlig unverhältnismäßigen Art und Weise.

Barbara fühlte sich geradezu verpflichtet, sich verbal einzumischen und für Aufklärung zu sorgen, indem sie den Beamten aufzeigen wollte, dass der Einsatz sich in die falsche Richtung bewege. Das hätte sie besser bleiben lassen, denn unversehens war sie diejenige, die mit Schlagstock und Polizeigriff in die Schranken gewiesen wurde. In ihrer Panik wusste sie sich nicht anders zu helfen, als sich auf eine vorgetäuschte Schwangerschaft zu berufen. Ein effektives Mittel, denn der ihr gegenüber gerade noch äußerst grobe Beamte ließ sofort von ihr ab und bot ihr fürsorglich einen Arzt an. Allerdings sah er sich im Nachgang gezwungen, gegen Barbara eine Anzeige unter anderem wegen Beleidigung zu erstatten.

Akte „Container-Aufbruch“: ungelöst

 

Der RSH-Container im Stadion ist seit dem ersten Spiel dieser Saison wieder geöffnet. Seit der ominösen Aufbruch-Affäre vor dem Bundesligaspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth war er geschlossen, da die Umstände des Aufbruchs ungeklärt waren. Nun hat die RSH eine schriftliche Nutzungsvereinbarung mit dem 1. FC Nürnberg, der Eigentümer des Containers ist, geschlossen: Ein Betreten des Containers ist nur im Notfall erlaubt – die RSH hat dabei ein Anwesenheitsrecht.

Die Umstände des Aufbruchs vor dem Spiel gegen die Fürther bleiben dagegen im Dunkeln. Wer hatte ein Interesse, den Container der RSH zu durchsuchen? Zur Erinnerung: Am besagten Spieltag stellten RSH-Mitarbeiter fest, dass das Eingangsschloss ausgetauscht worden war. Der Schlüssel passte nicht mehr. Zunächst hieß es, es sei ein bedauerliches Versehen gewesen, die RSH nicht zu informieren. Der Schlüssel habe ausgetauscht werden müssen, da der Ersatzschlüssel nicht auffindbar war. Doch beim Betreten der Innenräume zeigte sich: Auch zum Innenraum, der durch einen anderen Schlüssel verschlossen ist, hatte sich jemand Zutritt verschafft. Und die Schubladen standen offen. Offenkundig hatte sich jemand dafür interessiert, was sich im RSH-Container befindet. Unmittelbar vor einem sogenannten „Risiko-Spiel“.

Für eine Hand voll Schilling - Ein Beispiel, wie sich die polizeilichen Einsatzzahlen Fußball erklären

 

Saison 2014/2015. Heimspiel des Glubb gegen St. Pauli. Ein paar Gäste aus Wien statten Nürnberg einen Besuch ab, um das Spiel zu sehen.

Als Gäste werden sie sich später nicht mehr fühlen. Später, wenn einige von ihnen aufgrund bagatellhafter Vorwürfe nach Stunden im Polizeigewahrsam endlich wieder ihrer Wege gehen dürfen.

Stunden, nachdem sie im Stile eines Anti-Terror-Einsatzes mit ihren wenigen Neunsitzern in der Valznerweiherstraße zwischen Ben-Gurion-Ring und Waldluststraße in einem komplett gesperrten Straßenabschnitt vor gaffenden Anwohnern von insgesamt  mehr als zwanzig Einsatzfahrzeugen kontrolliert worden sind. In denen ein Pizzalieferant staunend vor einem Flatterband steht und nicht weiß, was er mit seinem Karton anfangen soll. In denen Passanten sich fragen, ob eine Terrorzelle in Nürnberg ausgehoben wurde.

Was aber löst einen derart gigantischen Einsatz aus? Eine völlig neue Dimension der überzogenen polizeilichen Fußballsachbehandlung?

Landgericht Ingolstadt verurteilt Polizisten wegen Verfolgung Unschuldiger – Strafe abgemildert

 

Im Fall des Polizeibeamten, der einen Fan, der Eintracht Bamberg unterstützt und Mitglied der Rot-Schwarzen Hilfe ist, nach einem Spiel des FC Ingolstadt II gegen Eintracht Bamberg zunächst mit einem Schlagstock verletzte und anschließend einen falschen Einsatzbericht abgab, ist am 27.05.2015 das Berufungsurteil des Landgerichts Ingolstadt ergangen. Es ist einzigartig hinsichtlich der Schwere des Vorwurfs.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Beamte wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt in einem Fall ebenso schuldig ist wie wegen des Verbrechens der Verfolgung Unschuldiger. Nach dreitägiger Hauptverhandlung reduzierte es die Strafe, die das Amtsgericht Ingolstadt verhängt hatte, jedoch deutlich. Ob der vorläufig suspendierte Beamte aus dem Dienst entfernt wird, wird erst ein Disziplinarverfahren zeigen.