Abgeschlossene Fälle

Die Zaunkönige von Nürnberg

 

Sepp Sperling, Rudolf Rabe und Anton Amsel (Namen von der RSH geändert) hatten eine maßlose Wut im Bauch, als ihr geliebter FCN nach dem letzten Hinrundenheimspiel vorletzter Saison gegen Hamburg eine mehr als traurige Figur machte. Hinzu kamen kuriose Gerüchte rund um die Führung des Ruhmreichen und die Tatsache, dass sie zu einer Gruppe von Ausgesperrten gehörten, denen ein Besuch des Spiels nicht gestattet war. Nachdem sie den Endstand des Spiels erfahren hatten, gaben sie ihren Unmut durch den Zaun des Stadiongeländes kund. Dabei hielten sie und etliche andere sich am Zaun fest und brachten diesen durch Unmutsbewegungen derart in Wallung, dass er beschädigt wurde. Wer nun genau in welcher Form für den Schaden, der nicht gerade klein ausgefallen sein soll, verantwortlich ist, war nicht aufzuklären. Im Ergebnis wurde bei einem der drei die ohnehin schon vorhandene Gesamtfreiheitsstrafe erhöht, die beiden anderen wurden zu einer Geld- (1200 Euro) bzw. zu einer Arbeitsauflage von 80 Stunden verurteilt.

Seht ihr die Fahne fliegen?

 

Eine Fahrt kurz vor Weihnachten zum Pokalspiel Augsburg gegen Schalke wird vier jungen RSH-Mitgliedern noch einige Zeit in Erinnerung bleiben. Sie endete mit einer Festnahme der vier und einer Nacht auf der Polizeiwache. Was war geschehen? Im Zug waren die Knaben auf einen Fan des FCA gestoßen. Einer der vier nahm diesem die Fahne ab und warf sie durch den Zug. Aberakadabera: Schon hatten die vier Herren ein Ermittlungsverfahren wegen Raubes am Hals. Immerhin ein Verbrechen, mit einer Mindeststrafe von einem Jahr Freiheitsstrafe bedroht.

Nur ein Verfahren landete letztendlich vor Gericht. Während die Staatsanwaltschaft nach wie vor eine Verurteilung wegen Raubes forderte, gelang es dem Anwalt, das Gericht zu überzeugen, nur wegen einer Nötigung zu verurteilen. Was für den Betroffenen heißt, er kam noch einmal mit einem blauen Auge davon.

 

TV-Anstalt verzichtet auf die „Fratze des Chaos“

 

Einmal oben ohne und schon ein Star im Fernsehen. Was bei den meisten Frauen ganz gut funktioniert ist bei Männern eigentlich eher unüblich. Anders erging es Philip Rösli (Name von der RSH geändert). Weil er ausgerechnet beim sogenannten „Bumm-Spiel“ in Frankfurt seinen gestählten Oberkörper in die Kameras hielt, wurde er fortan zum Sinnbild des wilden, ungezähmten Fußball-Fans, sozusagen zur „Fratze des Chaos“.

Ein großer, privater TV-Konzern fand ihn offenbar so attraktiv, dass er über mehrere Sender hinweg und – noch viel bizarrer – über mehrere Vereine hinweg als Bild zur Untermalung von „schlimmen“ Fußball-Nachrichten herangezogen wurde. Eine Kennzeichnung als Archiv-Material hielten die Sender offenbar für überflüssig, auch einen Hinweis darauf, dass es sich um einen Glubbfan bei einem Spiel vor mehreren Jahren handelt, der da mit Ausschreitungen bei Spielen völlig anderer Vereine gezeigt wird.

Pyro in Bochum: Verfahren eingestellt

 

Nach dem Einsatz von Pyrotechnik beim Bundesligaspiel VfL Bochum gegen den 1. FC Nürnberg im Februar 2010 und mehreren erheblich verletzten Glubb-Fans war die Aufregung groß: Hohe Strafen wurden gefordert und ein hartes Vorgehen auch gegen die eigenen Anhänger von der FCN-Führung angekündigt. Hundertausende Euro Schadensersatzansprüche kursierten als Drohung für die Täter. Sogar der „Spiegel“ berichtete – es habe neben weiteren zwei Schwerstverletzte gegeben, so das Magazin. Die Kriminalpolizei Nürnberg gründete eine eigene Ermittlungsgruppe namens „AG Ruhr“.

Auch RSH-Mitglied Max Leuchte (Name von der RSH geändert) geriet ins Visier der Polizei: Auf einem Video sei er zu sehen, wie er mit einer brennenden Seenotrettungsfackel im Gästeblock wedelte. Es folgten Hausdurchsuchung, Beschlagnahme und schließlich eine Anklage wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung. Verletzt hatte er mit der Leuchtfackel niemand. Jedenfalls könne man das nicht nachweisen, so die Kripo.

Verfahren wegen Landfriedensbruch eingestellt

 

Ein Verfahren wegen Landfriedensbruch gegen ein Mitglied der RSH wurde gegen eine Zahlung von 2000€ eingestellt. Manni Waißbier (Name von der RSH geändert) war anlässlich des ereignisträchtigen Heimdebakels gegen den HSV – man erinnert sich mit Grausen – aus der Rolle gefallen und hatte sich in aufwiegelnder Art betätigt. Der vorbelastete Herr kam im Strafverfahren mit einem dunkelblauen Auge davon.