Abgeschlossene Fälle

Beistand von ganz oben: „Fahndungshilfe“ der Polizei erweist sich als Niete

 

Sogenannte Fahndungshilfen ermuntern offenbar zu besonders engagierter Polizeiarbeit: Nicht nur unser Mitglied Otto Hansig, der wegen seiner Hoffnung, nicht in der ersten Schulbank der Schulklasse sitzen zu müssen, der Polizei als besonders verdächtigt galt (Bei ARD, ZDF und der Polizei stehen Sie in der ersten Reihe – wie leicht es zu Missdeutungen zulasten eines Beschuldigten kommen kann), sondern auch Otto Maier (ebenfalls RSH-Mitglied mit geändertem Namen) geriet ins Fahndungsvisier der Nürnberger Polizei – wegen angeblicher Beteiligung an derselben Straftat wie Otto Hansig.

Dabei setzte die Polizei bei ihrer Ermittlungsarbeit zunächst einmal auf das Wunder der Technik und ließ ein Kamerabild vom Landeskriminalamt aufbereiten mit dem Auftrag: Maximale Erhaltung von Details, Kantenschärfung und Vergrößerung. Heraus kam ein „Foto“ äußerst schlechter Qualität, fortan auch als „Fahndungshilfe“ bezeichnet. Die schlechte Qualität hielt Nürnberger SKBs allerdings nicht davon ab, sich mit diesem Foto ca. vier Monate nach dem angeblichen Tattag während eines Heimspiels auf die Suche nach passenden Personen zu begeben.

Und siehe da, beim Betrachten der Glubbfans in ihrer Heimkurve hat es "zoom" gemacht: Ein Beamter erspähte Otto Maier, der sich zum Anfeuern der Mannschaft in vorderster Reihe des Blocks befand. Wohlgemerkt: nicht etwa am Tattag, sondern vier Monate später. Und nun folgte auf das Wunder der Technik die überraschende Feststellung der Polizei, die Person auf der Fahndungshilfe und Otto Maier sähen sich „sehr ähnlich“. Es folgte das Übliche: Ladung zur Beschuldigtenvernehmung und erkennungsdienstlichen Behandlung und Anregung einer richterlich angeordnete DNA-Probe gegenüber der Staatsanwaltschaft. Sodann fragte der Staatsanwalt auch bei dem zwischenzeitlich eingeschalteten RSH-Anwalt nach, ob denn eine DNA-Probe freiwillig abgeben werde.

Nein, weder erkennungsdienstliche Behandlung noch DNA-Entnahme, antwortete der Anwalt. Die von der Polizei beschriebene „Ähnlichkeit“ zwischen Otto Maier und der Fahndungshilfe sei nicht nachvollziehbar, so der RSH-Anwalt, denn die auf der Fahndungshilfe eingezeichnete Person sei „nicht ansatzweise in einer Art und Weise erkennbar, dass man eine Ähnlichkeit mit einer anderen Person in Betracht ziehen könne“.

Ob dieser Einwand allein gereicht hätte, um einer richterlich angeordneten DNA-Probe und erkennungsdienstlichen Behandlung zu entgehen? Die Frage muss offen bleiben, denn Otto Maier konnte sich diesmal nicht nur anwaltlichen Beistands bedienen. Ausgerechnet zum Tatzeitpunkt befand er sich nämlich auf einer Tauffeier und legte Beweise vor: die Taufeinladung, ein Gruppenfoto vor dem Taufbecken und mehrere Teilnehmer der Taufzeremonie als Zeugen. Ein Tatverdacht bestehe nicht mehr, antwortete der Staatsanwalt, und stellte das Verfahren ein.